Coronavirus erklärt: Warum ist es so gefährlich?

Wer sich angesichts der aktuellen Situation mit Informationen zu und über das SARS-CoV-2 Virus versorgen will, findet statt Aufklärung oft nur eine bunte Mischung aus Abwiegeln, Herunterspielen und Leugnen. Dass manche Mitbürger es mit der Wissenschaft nicht so genau nehmen ist an sich zwar nichts Neues. Warum dies allerdings gerade in dieser Situation zum Fallbeil für den Erfolg der Maßnahmen werden kann liegt auf der Hand. Einige Gerüchte machen aktuell in der Bevölkerung die Runde, wie zum Beispiel die Vermutung, Corona sei ja “nur eine etwas stärkere Grippe”, oder, dass Junge und Gesunde wenig oder gar nicht von dem Virus betroffen wären.

Dies ist zwar mehr als verständlich im Hinblick auf die ungenaue, wissenschaftliche Gemengelage um das recht unerforschte COVID-19, dennoch wollen wir hier in diesem Artikel mit einigen Vorurteilen aufräumen und ein für allemal erklären, was das Corona-Virus so gefährlich macht, wieso es eben doch nicht nur wie eine harmlose Grippe ist und wieso auch 20-Jährige sich überlegen sollten, beim Gang zum Supermarkt das nächste Mal den Mundschutz aufzuziehen.

Ist COVID-19 gefährlicher als Influenza?

Obwohl die saisonale Grippe allein in Deutschland jedes Jahr auf leisen Sohlen mehrere 10.000 Opfer fordert, und obgleich die Viren eine gewisse morphologische Ähnlichkeiten aufweisen, so ist dennoch Vorsicht geboten, die beiden in einen Topf zu werfen. Zwar bestehen viele Ähnlichkeiten der beiden Viren, ja, die Influenza ist in mancherlei Hinsicht sogar gefährlicher als COVID-19, z.B. was die Ausbreitungsgeschwindigkeit angeht, doch mit seiner höheren Ansteckungsgefahr sowie seiner deutlich größeren Zahl an schweren Verläufen pro Hundert Patienten könnte ungebremste Ausbreitung des Corona-Virus zu einer empfindlichen Störung des Gesundheitssystems führen, die die jährliche Grippe weit in den Schatten stellen würde. Sars-Cov-2 hat im Vergleich zur saisonalen Grippe eine 5-20-fach höhere Letalität, die relative Zahl derer, die an dem Virus sterben, ist also deutlich höher. Zum Vergleich, bei der Grippe bewegt sich die Letalität im unteren Promill-Bereich, bei dem Corona-Virus sprechen wir hier schon von Prozent.

So ist unter anderem die sogenannte Virendichte im Rachen bei Corona-Infizierten um ein Vielfaches höher als bei Grippepatienten – und dies auch bei symptomlosen Ansteckungen. Auch liegt bei einer Infektion mit dem Corona-Virus die Quote der schweren Fälle mit 17-22 pro Hundert deutlich höher als bei der Grippe. Zwar sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, nachdem gerade milde Fälle lange Zeit nicht in den Statistiken erfasst worden sind – die Todesfälle jedoch schon, was die Statistiken deutlich verzerrt. Trotzdem ist sich die Wissenschaft einig, dass die aktuellen Maßnahmen angemessen sind, und eine Ausbreitung des Virus die oberste Priorität aller sein muss, vor allem, da es – und das ist wohl einer der wichtigsten Unterschiede zur Influenza – aktuell noch keine wirksame Impfung gegen Sars-Cov-2 gibt.

Wer ist besonders gefährdet durch das Corona-Virus?

Unabhängig davon, dass die individuelle Gefährdungslage, sich an dem Virus anzustecken, variiert – ebenso wie die Fallsterblichkeit, wenn man sie nach Alter aufgliedert – so gibt es doch gewisse physiologische Prävalenzen, die eine Ansteckung wahrscheinlicher machen. Raucher sind zum Beispiel eher von schweren Fällen des Virus betroffen, da ihre Lungen-Immunabwehr durch das ständige Verarbeiten der Giftstoffe stark gebremst ist, und sich im Ernstfall nicht mit gebotener Stärke gegen die Viren stellen kann. Auch zeigten erste Forschungsergebnisse, dass Männer eher als Frauen von einer Ansteckung betroffen sind. Woraus dieser Unterschied rührt, ist jedoch noch nicht einwandfrei geklärt, man vermutet jedoch, dass der weibliche Körper besser darin ist, Viren abzuwehren. Traurige Gewissheit brachten kürzlich allerdings Erkenntnisse aus China, die zeigen, dass ungeborene Kinder sich durch ihre Mutter an dem Virus anstecken können.

Zumindest Kleinkinder und jüngere Menschen scheinen allerdings gut gegen das Virus gewappnet zu sein. Obwohl diese generell meist nur leichte Symptome und Krankheitsverläufe zu vermelden haben, kann eine Infektion im schlimmsten Fall dennoch tödlich verlaufen, wie der Tod des nur 21 Jahre jungen spanischen Fußballtrainers Francisco Garcia jüngst zeigte. Am schlimmsten trifft das Virus jedoch ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen, wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, oft mit voller Härte. Zusätzlich zu einem geschwächten Immunsystem oder einer zumindest unzureichenden Immunabwehr weisen die Risikogruppen meist auch noch andere Faktoren auf, die den Krankheitsverlauf im Falle einer Infektion deutlich verschlimmern können. Erschwerend hinzu kommt, dass Indikatorsymptome wie Fieber oder Gliederschmerzen bei älteren Patienten beispielsweise oft ausbleiben oder nicht also solche erkannt werden.

Verantwortung übernehmen – für sich, und für andere!

Ob jedoch Risikogruppe oder nicht – keiner von uns sollte das Corona-Virus unterschätzen und leichtmütig seine und die Gesundheit anderer auf’s Spiel setzen, sei es durch unvernünftiges oder sogar unverantwortliches Handeln. Vor allem das Verhalten der nicht-Risikogruppe wird letztendlich über Erfolg oder Misserfolg der Quarantäne-Maßnahmen entscheiden. Jeder kann etwas unternehmen und Teil der Lösung werden, anstatt Teil des Problems zu sein. Denn so unterschiedlich Corona und Influenza auch sein mögen, eine große Gemeinsamkeit besitzen sie doch; wenn wir ihm keine Chance geben sich zu übertragen, vermag auch das mächtigste Virus der Welt nichts gegen die menschliche Firewall auszurichten.

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